Reise Peru

September 2021

 

Die Finca Churupampa war mein erklärtes Ziel, als ich im September in Frankfurt ins Flugzeug stieg. Denn hier, in Chirinos, im Norden von Peru, lebt die Familie Tocto. Sie baut schon seit 2011 in einer Kooperative Bio- und FairTrade zertifizierten Spezialitätenkaffee an. Gut 20 Stunden brauchte ich für die Anreise: Mit dem Flugzeug ging es über die Stationen Frankfurt, Bogotà, Lima und Jaén. In Jaén holten mich Lenin Tocto, Eduardo und Sandra ab. Gemeinsam fuhren wir gut zwei Stunden, bis wir endlich bei der Farm ankamen.

 

 

Jaén hat nur eine einzige und (wie mir schien) extrem kurze Landebahn, doch das war nicht die einzige Zitterpartie. Die Farm der Toctos liegt in einem Kessel, dessen unbefestigte Zufahrt direkt an Abgründen entlang führt und sich bei Regen in eine Schlammrutsche verwandelt. Doch Eduardo versicherte mir fröhlich, dass der Überschlagbügel des Jeeps bis jetzt noch nie in Aktion treten musste, während wir uns schlingernd mit durchdrehenden Reifen unseren Weg bahnten

 

 

Auch die frei herumlaufenden Kuhbullen, die manchmal von einer unerklärliche Abneigung gegen den Jeep gepackt wurden, stellten immer wieder eine Herausforderung dar.

 

 

Wichtigstes Thema: Organischer Anbau

Auf den Plantagen der Finca Churupampa stehen zum größten Teil Kaffeepflanzen der Catimor, Bourbon, Typica, Caturra und Pache. Bourbon, Typica Caturra und Pache gehören zu den „variedades antiguas“ in Peru, d.h., den Urvarietäten. Die Pflanzen werden Stück um Stück wieder neu eingesetzt, weil sie perfekt auf die Verhältnisse der Region angepasst sind und ausgesprochen aromatische Kaffeebohnen hervorbringen. Um eine einseitige Belastung zu vermeiden, werden auf den meisten Farmen der Kollektive Mischkulturen angebaut.

 

Das bedeutet mehr Handarbeit, schont aber den Boden. Auch der Dünger wird lokal hergestellt. Hierzu werden vor allem Grünschnitt und die Schalen der Kaffeefrüchte (= cascara) kompostiert und in der Plantage genutzt. Durch dieses durchdachte & nachhaltige System ist die Farm der Familie Tocto seit Jahren FairTrade- und biozertifiziert. Dieses Wissen geben sie ständig aktiv an die Farmer der Umgebung weiter.

 

 

Professionelle Cuppings von jeder Charge

In Chirinos gibt es einen Raum, in dem den ganzen Tag Arabica-Kaffees von Kaffeebauern der Kollektive verkostet werden. Mehrere Mitarbeiter der Finca sind als SCA-zertifzierte Verkoster ausgebildet, und von Zeit zu Zeit stoßen die sogenannten Q-Grader, d.h. unabhängige professionelle Verkoster, hinzu, die das SCA-Rating für die verschiedenen Kaffeebohnen festlegen. Es werden Proben aus der ganzen Region verkostet. Mich hat das unglaublich komplexe Profil und der krasse Charakter des hiesigen Spezialitätenkaffees beeindruckt. Schokoladig mit Einflüssen von Zitrusfrüchten, ein Hauch von süßer Orange, und dazu eine unglaubliche Vielfalt … am Ende des Tages musste Lenin mich fast aus dem Cupping Room zerren … denn wer verlässt schon freiwillig das Paradies?

 

 

Meerschweinchen zum Frühstück

Andere Länder, andere Sitten. Ich musste doch ein wenig schlucken, als mir Meerschweinchen (schon zum Frühstück!) serviert wurde. Doch es gab auch Anderes: Insbesondere die Farm von Don Levi Silva und seiner Tochter Leidy, die über 10 Hektar umfasst, hat mich beeindruckt: Neben den selbstgezüchteten Meerschweinchen gab es einen Teich mit eigenen Fischen (Telapias), und die Früchte (z.B. Ananas) stammten aus der Mischkultur auf den Kaffeeplantagen. Eine beeindruckende Selbstversorgung!

 

 

Am Abend trifft sich die ganze Familie zum Abendessen und lässt den Tag gemeinsam ausklingen. Eine weitere Sache fehlt dabei (fast) nie: Cañazo, der Zuckerrohrschnaps. Auf der Finca der Familie Silva, die zu der Farmergemeinschaft Churupampa der Toctos gehört, wurde er aus Bullenhörnern gereicht. Ich fühlte mich fast wie ein Wikinger. Ein Wikinger in Peru.

 

 

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