Kaffeesortierung Kolumbien

September 2021

 

Einstieg mal ohne Kaffee

Von Peru aus flog ich direkt weiter nach Kolumbien. Juan Pablo holte mich am Flughafen in Nariño ab und lud mich gleich zur Geburtstagsfeier seiner Kusine in Pasto ein. Wir feierten bis morgens um fünf, und mit einem ziemlichen Kater fuhren wir am nächsten Tag zum beeindruckend klaren Kratersee Laguna de la Cocha weiter, der auf 3.000 Metern Höhe liegt. Als wir wieder essen konnten, gab es trucha – Forelle – direkt aus dem See, kombiniert mit patacones de platano frito. Diese plattgedrückte und frittierte Kochbanane wird als herzhafte Beilage gegessen, so wie bei uns Pommes Frites. Nach diesem fulminanten Einstieg ging es direkt weiter zur Plantage.

 

Dry Milling

Im Herbst werden die fertig getrockneten Kaffeebohnen ein letztes Mal bearbeitet, bevor sie in den Export gehen. Im ersten Schritt dem werden dabei die Silberhäutchen von den Bohnen entfernt. Dieser Prozess nennt sich „dry milling“, also „Trockenmahlung“, wobei der Begriff irreführend ist, denn die Bohnen werden an dieser Stelle nicht gemahlen, sondern nur schonend in einer Maschine gerüttelt.

 

 

Handverlesen

Und dann geht‘s ins Detail: Jede einzelne Bohne wird von Hand aussortiert. Hierfür gibt es extra einen Sortierraum mit großen Tischen, an die locker 20 bis 30 Leute passen. 14 (!) fest definierte Defekte kann eine Kaffeebohne haben. Dazu gehören z.B. Insektenbisse, abweichende Färbungen, Sprünge und abgeschlagene Ecken, denn sie alle beeinträchtigen den Geschmack. Die Bohnen werden zusätzlich mit einem Sieb nach Größe sortiert. Die aussortierten Bohnen werden übrigens nicht weggeworfen, sondern verbleiben im Land für den nationalen Verbrauch. Juan Pablo prüft die Ergebnisse persönlich, und die Bezahlung der Mitarbeiter:Innen richtet sich nach der Sorgfalt, mit der sie geprüft haben.

 

 

Was sind Peaberries / Perlbohnen?

Relativ selten gibt es kugelrunde Kaffeebohnen, die eher wie eine Erbse aussehen. Dies geschieht, wenn sich im inneren der Bohne nur ein Samen ausbildet (anstelle der üblichen zwei). Sie zeichnen sich durch einen besonders intensiven Geschmack aus und werden daher mit einem speziellen Prozess herausgefiltert: Alle Bohnen werden auf ein leicht angeschrägtes Brett gekippt, das am Ende eine Kante einen kleinen Durchlass hat. Die runden Perlbohnen kugeln über das Brett und rollen durch den Durchlass, während die normalen Bohnen liegen bleiben. Da sie sehr selten sind, sind Peaberry-Kaffeebohnen teuer und exklusiv.

 

 

Der allerletzte Schritt

Ein ganzes Jahr an Arbeit findet seinen Höhepunkt, wenn die fertig sortierten Kaffeebohnen abgefüllt werden. Die Kaffeesäcke, die außen aus Jute gefertigt sind, werden individuell mit der jeweiligen Charge und dem Ursprungsort markiert. Innen befindet sich eine zusätzliche Kunststoffhülle, die dafür sorgt, dass das Aroma über den langen Transport erhalten bleibt. Ich habe die Säcke, die ich für unser Lager in Frankfurt bestellt habe, mit der speziellen „Steh-Nähmaschine“ selbst zugenäht. Es war ein wirklich bewegender Augenblick.

 

 

Super Naturals – Spezialitätenkaffee mit besonderer Note

Eine Sache hat es mir besonders angetan: Ich nenne diese Bohnen die Super Naturals. Sie werden nicht wie sonst bei Juan Pablo üblich in den Schubladen getrocknet, sondern direkt auf dem sonnigen Betonboden. Das sorgt für eine besonders schnelle Trocknung und einen ausgesprochen intensiven Geschmack. Das Trocknen auf dem Boden ist ganz besonders aufwändig und teuer … logisch, denn die Schubladen benötigen weniger Platz und sind außerdem regengeschützt. Doch es ist seinen Preis wert! Ich werde definitiv ein kleines Angebot dieser Extraklasse für das Lager in Frankfurt bestellen.

 

 

Pick your own coffee

Während ich die Kaffeebohnen sortierte, hatte ich Zeit, nachzudenken, und irgendwann kam mir die Idee, dass es bestimmt auch andere Kaffee-Verrückte gibt, die genau wie ich tiefer einsteigen und die Plantagen erleben möchten. Damit war der Grundstein für das Konzept „Pick your own coffee“ gelegt. Für den Frühling 2022 werde ich eine erste Reise mit 3 bis 4 Teilnehmern zu Juan Pablo planen. Ziel: Das echte Leben auf einer Kaffeeplantage aus erster Hand erleben und aktiv bei der Kaffeeernte helfen. Schreibt mir, wenn Ihr dabei sein möchtet!

 

 

Der persönliche Kontakt

Als ich farmersvaluefirst gründete, ging es mir vor allem um den persönlichen Kontakt zu den Farmern und um die Wertschätzung ihrer Leistung. Mit jeder Reise vertieft sich diese Verbindung. So bereitete die Oma von Juan Pablo extra Empanadas (mein Lieblingsgericht) für meinen ersten Abend vor, Juan Pablo schrieb meinen Namen auf die von mir bestellten und fertig abgefüllten Kaffeesäcke, und zum Abschied wurde ich von der Mutter der Familie gesegnet. „Das machen wir hier so“, sagte sie ruhig, während sie vor mir ein Kreuz schlug und mir eine sichere Reise nach Hause wünschte. Das sind die Augenblicke, in denen ich weiß, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

 

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